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Albumvers

Gib, anstatt zu nehmen! Dem
Satz gilt´s nachzustreben.
Werd, da ich mir ´n Strick nicht nehm,
mir die Kugel geben.

 

Auskunft

Wenn ich singe, wirft mein Singen
Fragen auf. Vor allen Dingen
mag die Frage sich erheben:
„Können Sie vom Singen leben?“

Und die Antwort lautet: Nein.
Noch reicht´s Singen ganz allein
nicht. Noch muss ich unterdessen
auch was trinken und was essen.

 

Addition und Subtraktion

Was wär denn dann
bei Frau und Mann
explizit
Unterschied?
Hier im Bad
hat sich´s grad
bart:
Die Rechenart.
Ich seh als Mann
s Gesicht
im Spiegel an:
So nicht!
Stahlscharf seifenschmierig
subtrahier ich.
Du prüfst als Frau
s Gesicht
im Glas genau:
So nicht!
Farben, die dich zieren,
heißt´s addieren.
Was wär denn dann
bei Frau und Mann
Differenz?
Ihr erkennt´s
und erfahrt:
die Rechenart.
Schließt nun´s Bad sich zu,
gilt auf Hieb und Stich:
Etwas mehr bist du,
etwas wen´ger ich.

 

Meine bessere Hälfte

Zählt´s, noch zusammenzuhalten?
Ziehn wir den sauberen Strich?
Längst stehn wir beide gespalten –
zweigeteilt zwar
nicht als ein Paar,
aber doch jeder in sich.

Ob es uns, wenn wir uns trennen,
süß oder bitterlich schmeck?
Noch läßt sich dies nicht erkennen.
Doch vom Hin-Her
wissen wir sehr
klar, wie es quält. Das muß weg.

Viertes und sechstes und siebtes
Schmierpapierblatt, ich beschmier´s.
Merk dabei, wie sich Geliebtes
spröde und kalt
löst in Gestalt
billig geklebten Furniers.

Groß wär sie nicht, die Bewegung.
Nur mehr der Zweifel tönt groß.
Allerdings zeigt Überlegung:
Geb ich dich frei,
werd ich dabei
dich, doch den Zweifel nicht los.

Siebte und neunte und elfte
Seite, ich grübel und schreib.
Und meine bessere Hälfte
ist´s, die zuletzt
hiermit und jetzt
groß auf Blatt Zwölf setzt: ICH BLEIB.

 

Lob des immerwährenden Mal-so-mal-Sos

Pendel hin und Pendel her,
Pendel dorthin und konträr,
Pendel kontra, Pendel pro,
Pendel du, mal so, mal so,

Pendel rechtsrum, Pendel links,
Pendel, zweigesicht´ge Sphinx.
Pendel linksrum, Pendel rechts,
Puls im Eifer des Gefechts.

Fließt der Zeitstrom nicht exakt,
sorgt die Pendeluhr für Takt.
Schadet Strahlung deinem Haus,
sagt das Pendel: Los, zieh aus!

Und Berlins Verkehrsstrom lehrt,
daß, was vor-, bald rückwärts fährt.
Darum, S-Bahn, lob ich sehr
deinen pendelnden Verkehr.

Zug, der einfuhr, endet hier!
Raus jetzt jeder Passagier!
Weiterfahrt in schätzungsweis
zwölf Minuten Nachbargleis!

Spürst du, daß die Bahn aus Stahl
schwebt, dann weißt du: Wuppertal.
Spürst du sie erst vorwärts ziehn,
dann zurück: dann ist´s Berlin.

Steig mit Freuden zu, Tourist!
Nutz den Pendelzug! Er ist
täglich, faktisch und konkret
Hauptstadt-Hauptspezialität.

Zug, der einfuhr, fährt zurück!
Weiterfahrt das nächste Stück
mit dem Pendelzug in so
etwa einer Stund Gleis zwo!

Was ist Richtung? Was sind Trends?
Allzeit gilt hier: It depends.
Komm! Erfahr, daß das was fährt,
bald verkehrtherum verkehrt.

Und so sing ich und so pendl´ ich,
und zum Ende komm ich endlich.
Doch tönt vorher mein Gesang
nocheinmal im Rückwärtsgang:

Gnag sträw kcürmi lamnie hcon
Gnaseg niem rehrov tnöt hcod

(…)